Für den Weinbau stellt das Klima die primäre Bestimmungsgröße für die Produktivität und die Qualität dar. Die phänologischen Entwicklungsphasen der Rebe haben sich in allen deutschen Anbaugebieten in den vergangenen Jahren deutlich nach vorne verlagert. Insbesondere wärmere Winter- und Frühjahrsmonate führen zu einer Verfrühung des Austriebs mit beschleunigter Entwicklung der Reben, Vorverlegung der Blüte und einem früheren Eintritt in die Reifungsphase (25 °Oe).
Einer angepassten Gestaltung der Laubwand durch weinbauliche Bewirtschaftungsmaßnahmen kommt damit eine wichtige Rolle zu. Hierdurch wird sowohl die potentielle Zuckereinlagerung durch die photosynthetische Leistung als auch die Bildung von Aromastoffen durch Lichtintensität und Temperatur beeinflusst. Die Wahl der Rebsorten und Unterlagen, unterschiedlichste Bewirtschaftungspraktiken und Produktionssysteme sowie die mikroklimatischen oder standortbedingten Unterschiede bieten dem Winzer ein breites Instrumentarium und Gestaltungsfreiräume.
Aber auch durch gezielte Eingriffe in das Blatt/Frucht-Verhältnis kann der Winzer dynamisch auf die Jahreswitterung eingehen. Dies kann insbesondere in Jahren mit einer sehr früh einsetzenden Blüte oder einem raschen Eintritt in die Reifungsphase zu einer verlangsamten Zuckereinlagerung bei sonst vergleichbaren Inhaltsstoffen sowie der Vermeidung einer zu starken Besonnung der Traubenzone in der Weinbergsbewirtschaftung angewendet werden.
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