Auf Standorten mit geringer Wasserspeicherkapazität kann auch im traditionell unbewässerten deutschen Weinbau die gezielte Zusatzbewässerung ein wichtiges Instrument des Qualitätsmanagements darstellen. Voraussetzung ist ein Steuerungskonzept auf Basis einer hinreichend präzisen Einschätzung des aktuellen Wasserstatus. Für direkt betreute Weinberge wurden bereits entsprechende Konzepte erarbeitet. Um die verantwortungsvolle Wassernutzung in der Praxis zu verankern, gilt es jedoch auch für klein parzellierte Produktionsbedingungen Organisationsformen zu finden, die es ermöglichen ohne eine separate Beprobung/Sensorausstattung aller Einzelparzellen auszukommen. Deshalb muss geklärt werden, nach welchen Kriterien die Teilflächen von Großprojekten in Stressklassen eingeteilt werden können bzw. wie die unvermeidliche Variation innerhalb der Stressklassen im Vegetationsverlauf erfasst und verrechnet werden kann, so dass durch die Betreuung von Referenzflächen das Risiko einer qualitätsmindernden Falschversorgung minimiert werden kann.
REAKTIONEN VON UNTERLAGSREBEN AUF UMWELTSTRESS
Die nachhaltige Produktion qualitativ hochwertiger Trauben stellt ein wesentliches Ziel der weinbaulichen Produktion dar. Deshalb arbeiten mehrere europäische Forschungszentren an diesem Thema und nähern sich dieser Herausforderung aus verschiedensten, wissenschaftlichen Blickwinkeln. Dies führte im Jahre 2008 zu gemeinsam geförderten Projekten aus den Regionen Aquitaine und Hessen, wobei das Institut des Sciences de la Vigne et du Vin (ISVV), Bordeaux, sowie die Forschungsanstalt Geisenheim und die Hochschule RheinMain eng miteinander kooperieren.
In Freilandversuchen in Geisenheim werden Wurzelanalysen (Profil, Architektur, Verteilung) sowie physiologische und biochemische Analysen an den Unterlagen 125AA sowie 110Richter durchgeführt.
Diese ökophysiologischen Messungen in Kombination mit genetischen Untersuchungen bieten eine Möglichkeit Anpassungsreaktionen auf Umweltreize oder mögliche Änderungen in der Traubeninhaltsstoffbildung zu erklären und damit geeignete Rebsorten für einen n nachhaltigen und umweltverträglichen Weinbau zu empfehlen.
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