Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat im November vergangenen Jahres an der Forschungsanstalt einen Wissenschaftlichen Beirat eingerichtet, der die FA in der Ausrichtung ihrer zukünftigen wissenschaftlichen Arbeit begleiten und beraten soll. Das Gremium wurde mit nationalen und internationalen Experten besetzt, die die wein- und gartenbaulichen Forschungsfelder der FA abdecken.
Direkt nach seiner Bestellung hat das Ministerium den Beirat gebeten die Forschungsanstalt Geisenheim in ihrer Arbeit zu bewerten und Vorschläge zur zukünftigen Ausrichtung der FA zu unterbreiten, damit sie auch in Zukunft ihre herausragende Stellung in der Forschungs- und Ausbildungslandschaft halten kann.
Die Forschungsanstalt Geisenheim hat dazu einen umfänglichen Fragenkatalog des Beirats beantwortet, der u.a. die Leistungen der vergangenen 6 Jahre aufgelistet hat und auch zu Fragen, die eine Selbsteinschätzung der FA in Forschungs- und Lehraufgaben beinhalteten, Stellung genommen.
Der Wissenschaftliche Beirat hat unter Einbeziehung der von der FA gelieferten Eigenbewertungen Anfang April eine Begehung der FA durchgeführt und mit den Wissenschaftlern Interviews durchgeführt, um einen tieferen Einblick in die Arbeiten der Einrichtung zu erhalten.
Der Bericht des Beirats wurde durch Prof. Wittkowski während der Sitzung des Verwaltungsrates der FA am 13. November offiziell vorgestellt. Die Forschungsanstalt Geisenheim bewertet den Bericht als Anregung für ihre weitere Entwicklung. Zum einen wird festgestellt, dass die Einrichtung während des Begutachtungszeitraums gute bis sehr gute Arbeit in all ihren Arbeitsgebieten geleistet hat. Das Gutachterteam macht dann, aufbauend auf dieser grundlegenden Feststellung, Vorschläge, wie sich die Forschungsanstalt Geisenheim für die kommenden Jahre ausrichten soll, um im wissenschaftlichen Wettbewerb einen vorderen Platz einnehmen zu können.Die in den letzten Jahren eingeleitete Schwerpunktbildung, die gegenwärtig die sieben Schwerpunkte “Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe”, “Steillagenmechanisierung”, “Wasserstress-Signale”, “Neue Technologien der Getränkeherstellung”, “Biotechnologie” ,“Traubengesundheit” und “Umweltsstress” umfassen, sollen gestrafft und um aktuellere Themen, wie z.B. “Einfluss von Klimaänderungen auf die Produktion bei Sonderkulturen” erweitert werden. Weiter erwartet man, dass zusätzliche methodische Kompetenz entwickelt wird, um auf Änderungen in der Förderpraxis noch schneller reagieren zu können.Der Beirat schlägt weiter vor, dass man sich noch stärker in der Einwerbung von Drittmitteln engagiert, was durch Schaffung einer speziellen Stelle erreicht werden könnte, die sich ausschließlich diesem Thema widmet. Der Wissenschaftliche Beirat ist auch der Meinung, dass die Forschungsanstalt Geisenheim ständig sehr viele wertvolle Ergebnisse liefert, die unbedingt der Praxis und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Er empfiehlt daher, dass man zum einen den Internetauftritt einer Verjüngungskur unterzieht und auch daran denken sollte eine eigene Schriftenreihe herauszugeben, die die Kunden der Forschungsanstalt Geisenheim direkt anspricht. Es wird andererseits aber auch bemängelt, dass die Arbeiten der Forschungsanstalt Geisenheim überall hoch geschätzt werden, dass aber die Nutznießer der Arbeit, speziell im industriellen Sektor, nur wenig bereit sind die Arbeit der FA auch finanziell zu unterstützen. Eine weitere wichtige Empfehlung berührt die Zusammenarbeit mit externen Partnern. Die Verbindung zur Fachhochschule Wiesbaden wird als optimal eingestuft und bedarf keiner aktuellen Verbesserung, da sich über die vielen Jahrzehnte guter Zusammenarbeit effiziente Strukturen entwickelt haben. Das Ausbildungssystem in Geisenheim stuft der Wissenschaftliche Beirat als vorbildlich und einmalig in der Bundesrepublik ein. Neu hingegen ist der Vorschlag, einen engeren Schulterschluss zur Universität Gießen zu suchen, insbesondere mit dem Fachbereich Agrar- und Ernährungswissenschaft, sowie mit der neu eingerichteten Lebensmittelchemie, um einen Forschungsverbund aufzubauen, der beiden Partnern Vorteile bringt. Zuerst ist daran gedacht, dass man im Rahmen des LOEWE-Programms des Landes Hessen gemeinsame Forschungszentren oder –schwerpunkte bildet. Die Forschungsanstalt Geisenheim wird sich in den kommenden Monaten in verschiedenen Arbeitsgruppen mit den Vorschlägen befassen, um daraus ein tragfähiges und zukunftsorientiertes Konzept zu entwickeln.
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