Oswin Hüttig; geb. 1.4.1827 zu Rauscha in Schlesien. Direktor in Geisenheim vom 1.11.1871 bis 31.1.74; gest. 31.3.1889 in Niederschönhausen bei Berlin. Hüttig kam aus Schweden, wo er den Gärten der landwirtschaftlichen Hochschule vorgestanden hat. Später leitete er bei Göteborg eine Schule zur gärtnerischen Ausbildung von Lehrern.
Beschreibung der königlichen Lehranstalt im Jahr 1873 durch O. Hüttig
Hermann Christian Arndts (* 9. September 1831 in Arnsberg; † 19. November 1888 in Deutz)
Arndts wurde 1869 bei seiner Ernennung zum Regierungsrat zur preußischen Regierung nach Wiesbaden versetzt. Er war verantwortlich für die Verwaltung des Ober- und Unterwesterwaldkreises. In Geisenheim wurde er beauftragt als Verwaltungsfachmann die staatliche Lehranstalt für Obst- und Weinbau auch königliche Pomologie genannt zu errichten und betriebsfertig zu erstellen.
Arndts blieb zwar Mitglied des Regierungskollegiums in Wiesbaden, wurde aber 1874 zum Direktor der Königlichen Lehranstalt ernannt.

(* 13. April 1843 in Naumburg/Saale; † 16. Januar 1911 in Darmstadt)
Goethe wurde 1874 Direktor der Kaiserlichen Obst- und Gartenbauschule im elsässischen Brumath. Im Rahmen seiner fünfjährigen Tätigkeit in Brumath erwarb er sich eine hohe Reputation als Forscher und Wissenschaftler. Dies führte 1879 zu seiner Berufung als Direktor der Königlich Preußischen Lehranstalt für Obst- und Weinbau in Geisenheim. Diese sollte er 23 Jahre bis 1903 leiten. In dieser Zeit wurde die Lehranstalt in Geisenheim stark ausgebaut und man widmete sich zunehmend auch der gartenbaulichen und weinbaulichen Forschung. Unter dem Direktorat Goethes wurden unter anderem das Oenochemische Institut (1881), eine Wetterstation II. Ordnung (1884), eine Obstverwertungsstation (1885), eine Rebenveredelungsstation (1890), die Hefereinzuchtstation (1894) und eine Pflanzenpathologische Versuchsstation (1900) eingerichtet. Rudolf Goethe war als Direktor, Forscher und Herausgeber von wissenschaftlichen Publikationen maßgeblich an der Ausbildung des herausragenden Rufes der Lehr- und Forschungsanstalt Geisenheim im Wein- und Gartenbau beteiligt. Von ihm stammte die Anregung zur Gründung einer Vereinigung ehemaliger Studierenden, die mit dem Gründungsprotokoll vom 13. Mai 1894 zur Vereinigung Ehemaliger Geisenheimer führte.
Er gab die Mitteilungen über Obst- und Gartenbau (seit 1886) und die Zeitschrift Weinbau und Kellerwirtschaft (seit 1889) heraus und schrieb ein Handbuch der Tafeltraubenkultur (1894). Im Jahr 1900 führte er eine Obstbaumzählung auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg durch und stellte fest, dass der Neckarkreis mit 1560 ertragsfähigen Obstbäumen pro Hektar an der Spitze stand.
Die Asternsorte „Rudolf Goethe“ ist nach ihm benannt, ebenso eine Birnensorte.

(* 15. August 1856 in Höxter (Westfalen); † 28. Juni 1925 in Boppard)
Julius Wortmann besuchte die Volksschule in Höxter und eine Privatschule in Lübbecke, sowie das Realgymnasium in Elberfeld. Er studierte die Naturwissenschaften in Berlin und Würzburg. In Würzburg wurde er 1879 bei Julius Sachs mit dem Thema „Ueber die Beziehungen der Intramolecularen zur normalen Athmung der Pflanzen“ zum Dr. rer. nat. promoviert.[1] Im darauffolgenden Jahr erhielt er eine Anstellung als Assistent bei Anton de Bary an der neu gegründeten Kaiser-Wilhelm-Universität in Straßburg.[2] Nach seiner Habilitation 1883 hielt er Vorlesungen über Pflanzenphysiologie. Während eines Zeitraums von 10 Jahren arbeitete er zusammen mit dem Instituts-Vorstand in der Redaktion der Botanischen Zeitung.
Als Nachfolger von Professor Hermann Müller (Thurgau) wurde er 1891 bis 1903 Leiter der Pflanzenphysiologischen Versuchsstation in Geisenheim. 1903 wurde er dort zum Professor und Vorstand der Pflanzenpysiologischen Versuchsstation ernannt. Wortmanns Forschungsschwerpunkt in Geisenheim war die Gärungsphysiologie. Er erkannte frühzeitig den praktischen Wert einer wissenschaftlich fundierten Gärungskunde und gründete 1894 am Standort Geisenheim die erste Hefereinzuchtstation. Diese Station leitete er bis zum Jahre 1924.
Von 1903 bis 1921 war Wortmann Direktor der Lehr- und Forschungsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Geisenheim. Er folgte Rudolf Goethe im Vorsitz der preußischen Rebenveredlungskommission, wo er bis 1924 tätig war. 1907 wurde Julius Wortmann zum Geheimen Regierungsrat ernannt. Er war in vielen Verbänden und Organisationen als Vorstandsmitglied tätig.
* 26.3.1869 in Hechlingen (Wttbg.), † 27.1.1941 in Wiesbaden. verh. mit Rosa Paulina Neuhaus (1871−1932).
Er übernahm am 1.5.1921 als Nachfolger von Wortmann die Leitung der Lehr- und Forschungsanstalt Geisenheim, wo er bis 1934 als Direktor und Professor wirkte. Schwerpunkt seiner vielseitigen Arbeiten war die Rebenzüchtung (zus. mit dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung in Müncheberg) mit Züchtungsversuchen auch bei Obstgehölzen und Zierpflanzen. Zusammen mit Heinrich Birk erschienen viele Beiträge zu Züchtungsfragen, zur Reisigkrankheit, zur Weinchemie, Mykologie, der Wein- und Süßmostbereitung. Ein großer Teil seiner Tätigkeit gehörte dem Vorsitzenden und Mitglied wiss. Arbeitsgemeinschaften und Körperschaften, so der Preuß. Rebenveredlungskommission, des Reichsausschusses für Weinforschung und der Obst- und Weinbau-Abteilung der DLG. Um den Ausbau der Geisenheimer Forschungsanstalt hat er sich zus. mit dem damaligen Refarat für Weinbau und Ref. der Lehranstalt im Landwirtschaftsministerium Geh. Min. Rat v. Breuhahn, verdient gemacht. Sein universelles Wissen führte zu mehr als 200 Veröffentlichungen.

* 28.12.1899 Ennepetal-Voerde, Sohn eines Gärtnereibesitzers. Er promovierte 1928 in Jena mit einer vererbungswissenschaftlichen Arbeit: "Zur Kenntnis der Oenothera purpurata Klebahn und Oenothera rubricaulis Klebahn". Er hatte die Leitung der Abteilung für Züchtungsforschung in Müncheberg am Kaiser-Wilhelm-Institut inne. Auf ihn geht die Neugliederung der Arbeits- und Forschungsbereiche in Institute zurück, die heute noch Bestand hat. Schon zu seiner Zeit gab es Bestrebungen der Trennung (und Ausgliederung der Lehre aus Geisenheim) von Lehre und Forschung zu Beginn der 40er Jahre.
Am 31. März 1945 wurde Prof. Dr. Carl Friedrich Rudloff nach 11 Jahren als Direktor abgesetzt. Erst 1952 konnte Rudloff in Hohenheim eine ordentliche Professur übernehmen, die er bis zu seinem Tode 1962 innehatte.

Johannes Steinberg wurde am 1. Oktober 1901 in Köln geboren. Sein Landwirtschaftsstudium an der Universität Bonn schloss er mit einer Dissertation über „Die Einwirkung zunehmenden Kalkgehaltes auf die Lebensäußerungen einiger bodenbewohnender Mikroorganismen“ ab. Es folgten Jahre als Assistent am Institut für Boden- und Pflanzenbaulehre in Bonn. 1929 erhielt Steinberg einen Ruf nach Geisenheim. Dort war er von 1929 bis 1936 Lehrer für Gemüsebau bis er Ende 1936 aus politischen Gründen die Forschungsanstalt verlassen musste. Steinberg kam für die nächsten 9 Jahre als Berater in der Kaliindustrie unter von wo er dann 1946 nach Geisenheim wechselte. Ihm oblag es nun, Forschung und Studium wieder schrittweise zum Leben zu erwecken. Dass er in Personalunion sowohl Direktor der Forschungsanstalt wie auch bis 1951 Referatsleiter für Weinbau im zuständigen Wiesbadener Ministerium war, kam ihm dabei zu Hilfe. Dank Steinbergs Initiative konnte bereits am 1. April 1946 der Lehrbetrieb mit 80 Hörern wieder aufgenommen werden, wenn auch unter eher provisorischen Verhältnissen. Dies war gleichzeitig der Beginn eines Studienbooms in dessen Verlauf sich die Zahl der Absolventen bis 1951 gegenüber den Vorkriegsjahren verdoppeln sollte. In Steinbergs Amtszeit wurden deshalb auch die Grundlagen für ein 6-semestriges Ingenieursstudium gelegt, dass am 4. April 1960 anlief. Der Studienort Geisenheim wurde somit zur Ingenieursschule und die Lehre damit grundsätzlich umstrukturiert. Eine der letzten wesentlichen Strukturierungsmaßnahmen der frühen Nachkriegszeit war die Gründung des Institutes für Betriebs- und Wirtschaftslehre 1956. Die Lehre und Forschung war nun auf 14, teils neu gegründete oder strukturierte Institute verteilt, die auch personell wieder gut besetzt waren. Prof. Steinberg erlebte noch den Bau der Gewächshäuser für den Gemüsebau mit, der 1960 begann. Er verstarb am 8. Oktober 1961 kurz nach seinem 60. Geburtstag und hinterließ eine Forschungsanstalt, die nach schwierigen Anfängen wieder voll im Forschungs- und Studienleben des Wein- und Gartenbaus integriert war.

Nach dem unerwarteten Tod von Prof. Steinberg übernahm sein Stellvertreter, Prof. Kurt Henning die Leitung der Forschungsanstalt. Am 1. August 1962 wurde er zum Direktor ernannt, war aber gleichzeitig wie bisher Leiter des Institutes für Biochemie und Weinchemie.
Henning wurde am 31. August 1900 in Oldenburg geboren. Wie Steinberg auch studierte er in Bonn und begann am 1. November 1926 seine Tätigkeit an der damaligen Weinchemischen Versuchsstation in Geisenheim. Im Dezember 1936 folgte er dem verstorbenen Prof. von der Heide als Leiter des Institutes für Biochemie und Weinchemie. Hier arbeitete er beispielsweise an der Sammlung und Vereinheitlichung von analytischen Untersuchungsmethoden bei Wein oder über Methoden zur Saccharosebestimmung in Wein. Henning entwickelte auch das als „Rotschönung“ bekannte Verfahren zur Entfernung von Arsen aus dem Wein. Als Direktor der Forschungsanstalt war Henning lediglich eine Amtszeit von 3 Jahren vergönnt. 1962 wurde das 90-jährige Bestehen der Forschungsanstalt gefeiert. Das Richtfest für das neue Institutsgebäude am 11. Dezember 1964 erlebte er ebenfalls noch, ebenso den Festakt zur Feier des 75-jährigen Bestehens der Rebenveredlungsstation. Am 20. Juni 1965 verstarb Prof. Henning unerwartet an einem Herzinfarkt. Bis zu seiner Pensionierung am 28. Februar 1966 übernahm Prof. Schanderl vertretungsweise die Leitung der Forschungsanstalt. Ihm folgte Prof. Stellwaag-Kittler als kommissarischer Leiter bis zur Neubesetzung der Direktorenstelle im März 1966.

Prof. Dr. Hugo Schanderl wurde am 22.02.1901 in München geboren und verstarb am 10.02.1975 in Geisenheim.
Er studierte ab 1927 bei dem bekannten Botaniker Prof. Burgeff in Würzburg und promovierte bei ihm über das Thema „Ökologische und physiologische Untersuchungen an der Wellen- und Muschelkalkflora des Maintales zwischen Würzburg und Gambach“. Durch das frühe Ableben von Kurt Hennig wurde die Leitung der Anstalt vertretungsweise von Hugo Schanderl von 1965 bis Februar 1966 wahrgenommen.

Prof. Dr. Paul Claus übernahm am 14. März 1966 das Amt des Direktors der Hessischen Lehr- und Forschungsanstalt, wie sie noch bis 1971 heißen sollte. Seine erste Amtszeit dauerte bis 1972, ihr folgte eine weitere Amtszeit bis 1978.
In den ersten Jahren seiner Amtszeit kam es 1967 zur Fertigstellung des neuen Institutsgebäudes. Es kam zu einer Neugliederung der Institute. Botanik und Mikrobiologie/ Biochemie wurden getrennt, das Institut Weinchemie und Getränkeforschung entstand. Am Ende stand die Zahl von 5 Instituten des Weinbaus und der Getränkewirtschaft, 4 Institute für Gartenbau und Landespflege sowie weitere 5 Institute.
Aufgrund der stark gestiegenen Studierendenzahlen wurde 1970 kurzfristig ein Hörsaalpavillon mit 380 Sitzplätzen geschaffen.
Wollte man die Geisenheimer Studiengänge zuerst der Fachhochschule Gießen zuordnen, entschied man sich 1970 zur Einrichtung einer neu zu gründenden Fachhochschule Wiesbaden, deren „grüne Fachbereiche“ die Geisenheimer Studiengänge Weinbau, Gartenbau, Getränketechnologie und Landespflege bilden sollten. Am 1. August 1971, gegen Ende der 1. Amtszeit von Claus, nahmen die Fachbereiche Weinbau & Getränketechnologie sowie Gartenbau & Landespflege in Geisenheim ihre Arbeit auf. Nach fast 100 Jahren hörte damit die Ingenieursschule als Teil der Lehr- und Forschungsanstalt Geisenheim auf zu existieren, das neue Konstrukt der „Fachhochschule-Forschungsanstalt“ war entstanden.
Bericht im Wiesbadener Kurier zum 90sten Geburtstag am 4.10.2010

Nachfolger von Prof. Claus war Prof. Helmut Hans Dittrich, Leiter des Fachgebietes Mikrobiologie und Biochemie. Er leitete die Forschungsanstalt von 1978 bis 1986.
In seiner Zeit entstand unter anderem der moderne Neubau für die beiden Fachgebiete Weinbau und Kellerwirtschaft. Seit dem wurden mehr als 60 Mio. Euro in Geisenheim investiert. Die führende Rolle Geisenheims in Forschung und akademihscer Lehre wurde weiter ausgebaut.

Klaus Schaller wurde 23.3.1943 in Leopoldsgrün (Kreis Hof) geboren.
1964-1968 studierte Schaller Landwirtschaft an der TU München und Universität Göttingen.
1968 bis 1971 promovierte er mit Auszeichnung an der TU München, Institut für Pflanzenernährung (Prof. Amberger) Thema: „Wertgebende Inhaltsstoffe verschiedener Kartoffelsorten im Hinblick auf ihre Technologische Weiterverarbeitung zu Edelerzeugnissen“.
Von 1971 bis 1972 war er Laborleiter Kali-Chemie Hannover, ab 1972 wissenschaftlicher Angestellter an der „Hessischen Forschungsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau. 1980 wurde er Institutsleiter des Fachgebiets Bodenkunde, 1986 Geschäftsführender Direktor der FA Geisenheim und Leiter der übergeordneten Fachgruppe Biologie, weiterhin Dekan der (damals noch) FH Wiesbaden, Fb Weinbau und Getränketechnologie sowie Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung der Forschungsanstalt Geisenheim.
1989 wurde er zum Direktor der Forschungsanstalt Geisenheim ernannt, das Amt hatte er bis zum März 2009 inne.

Geboren am 10. Februar 1959 in Bad Dürkheim studierte Hans Reiner Schultz 1980 bis1983 in Geisenheim Weinbau und Oenologie an der Fachhochschule Wiesbaden.
Von 1983 bis 1986 ergänzte er seine Ausbildung mit dem Studium der Allgemeinen Pflanzenbiologie (Plant Biology) mit Schwerpunkt Gartenbau (Horticulture) an der University of California, Davis, USA
Er hatte in den Jahren 1989 bis 1990 Lehraufträge an der Fachhochschule Wiesbaden und GTZ-Projekt „Tafeltrauben“ in Kingston, Jamaika und war bis 1989 Wissenschaftlicher Angestellter und Doktorand am Fachgebiet Weinbau, Forschungsanstalt Geisenheim, 87/88 Wissenschaftlicher Angestellter und Doktorand am Department of Viticulture and Enology, University of California, Davis, USA
Im Jahr 1992 bekam Schultz, damals in Davis, USA, den Rudolf-Hermanns-Preis für seine Arbeit "Entwicklung eines Photosynthese-Wachstums- und Lichtinterzeptionsmodells für verschiedene Laubwandsysteme bei Reben (Vitis vinifera L.)"
Ab 1993 war er als Wissenschaftler an der AGRO-ENSA/INRA, Montpellier, Frankreich und Habilitand der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in den Jahren davor Wissenschaftler (Post-Doktorand) am Department of Viticulture and Enology und dem Department of Botany, University of California, Davis, USA und Wissenschaftler (Post-Doktorand) am Department of Viticulture and Enology sowie dem Department of Environmental Horticulture, University of California, Davis, USA., später „Visiting Professor“ 1998 am National Wine and Grape Research Centre, Charles Sturt University, Wagga Wagga, Australien.
Ab 2006 war er Institutsleiter Institut für Weinbau und Rebenzüchtung, Forschungsanstalt Geisenheim sowie ab 1995 Fachgebietsleiter des Fachgebiets Weinbau und Professor für Weinbau an der Fachhochschule Wiesbaden
Prof. Hans Reiner Schultz trat sein Amt als Direktor der Forschungsanstalt Geisenheim am 1. April 2009 an.
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