Zur Geschmacksharmonisierung können polyphenolische Substanzen, wie z.B. die zu den Gerbstoffen gehörenden Tannine, dem vergorenen Wein mittels Weinschönung entzogen werden. Gleichzeitig erfolgt dadurch eine Abtrennung unlöslicher und kolloidaler Substanzen zur Verhinderung von Trübungen.
Zur Weinschönung werden neben anorganischen Materialen, wie Bentonit oder Kieselsol, bevorzugt tierische Proteine eingesetzt. Von großer Bedeutung sind hierbei die Kasein-Fraktion aus Kuhmilch sowie Albumine aus Hühnerei-Eiweiß. Daneben wird auch das aus Hühnerei-Eiweiß gewonnene Lysozym eingesetzt, um den Wein in verschiedenen Prozessschritten gegen einen unerwünschten Biologischen Säureabbau zu schützen.
Problematik Lebensmittelallergie
Milch- und Hühnerei-Proteine sind seit langem als Lebensmittelallergene bekannt und können schwere allergische Reaktionen auslösen (Anaphylaxien), manchmal sogar mit Todesfolge (Anonym, 2004; Besler et al., 1997). Bereits wenige Mikrogramm bis hin zu Milligramm an Proteinen aus Milch und Ei können bei Erwachsenen bzw. Kindern zu allergischen Reaktionen führen (Taylor et al., 2002). Innerhalb der EU leiden bis zu 4 % der Erwachsenen und bis zu 7,5 % der Kinder unter mindestens einer klinisch manifestierten Lebensmittelallergie (Zuberbier et al., 2004). Somit ist eine ausreichende Kennzeichnung der Lebensmittel zum Schutz der Verbraucher essentiell. Allerdings führt eine Kennzeichnung von Weinen, bei deren Herstellung Schönungsmittel aus Kasein oder Hühnereiweiß-Proteinen Verwendung fanden, unweigerlich zur Minderung des Produktimages. Derzeit ist der Ersatz dieser traditionellen Schönungsmittel durch andere Produkte aus sensorischer Sicht nicht möglich. Aus diesem Grunde sind eine umfangreiche Risikoanalyse sowie die Entwicklung technologischer Verfahren zur Vermeidung allergener Rückstände aus wirtschaftlicher Sicht von großem Interesse.
Zwischen Hamburg und München – kooperatives Forschungsprojekt in Geisenheim
Im Rahmen eines kooperativen Forschungsprojektes des Instituts für Lebensmittelchemie der Universität Hamburg, der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Technischen Universität München und des Fachgebietes Kellerwirtschaft der Forschungsanstalt Geisenheim wurde der Einsatz verschiedener Schönungsmittel sowie unterschiedlicher Verfahren zu deren Entfernung aus zwei Versuchsweinen getestet.
Ziel des Projektes war die Entwicklung technologischer Verfahren, die den Restgehalt an allergenen Weinbehandlungsmitteln im Wein absenken und somit das potentielle Risiko für Allergiker vermindern können. Dazu war es erforderlich, authentisches Versuchsmaterial für die beteiligten Forschungseinrichtungen bereitzustellen. Daneben sollte der standardisierte Ansatz auch die Möglichkeit des sensorischen Vergleichs der verschiedenen Behandlungsmittel erlauben.
Die in diesem Projekt verwendeten Schönungsmittel (Tab. 1) wurden unter Berücksichtigung ihres allergenen Potenzials sowie aktueller Fragestellungen zur Kennzeichnungspflicht von Allergenen auf Weinflaschen innerhalb der EU, der EFSA (European Food Safety Agency) und des OIV (Organisation Internationale de la Vigne et du Vin) ausgewählt.
Vorangegangene Studien zeigten, dass in abgefüllten Rot- und Weißweinen keine Rückstände von Kasein oder Hühnerei-Eiweiß nachweisbar waren, wenn die Verarbeitung gemäß guter fachlicher Praxis erfolgte. Nur wenn Filtrationen ausgelassen wurden, konnten Rückstände in den entsprechenden Weinen nachgewiesen werden, was bei Allergikern ggf. zu Problemen führen kann. Im Rahmen der Versuche im Fachgebiet Kellerwirtschaft wurden gebräuchliche oenologische Verfahren und Technologien verwendet. Ebenso wurden übliche Schönungsmittel (mit allergenem Potenzial) sowie alternative Substanzen eingesetzt, um ein besseres Verständnis zur Rückstandsproblematik beim Gebrauch von Schönungsmitteln zu erlangen.
Testweine: Müller-Thurgau und Regent
Für die Versuche wurden zwei deutsche Weine des Jahrgangs 2009 aus verschiedenen Anbaugebieten eingesetzt. Der verwendete Weißwein war ein Wein der Rebsorte Müller-Thurgau aus dem Anbaugebiet Rheingau. Der Rotwein wurde aus der Sorte Regent hergestellt und stammte aus dem Weinanbaugebiet Nahe.
Die Schönungsversuche erfolgten als Mikrovinifikationen in 120-Liter-Glaskolben. Ziel war es, einen Weintank zu simulieren und gleichzeitig eine adäquate Reinigung sowie das vereinfachte Abziehen des Weines (optische Kontrolle) zu ermöglichen (Abb. 1 und 2). Nach jeder Schönung wurde der Wein von den Schönungsmitteln abgezogen.
Die Überdosierung wurde durchgeführt, um ein "worst case"-Szenario zu schaffen, das in der Praxis so nicht vorkäme. Ziel war es, das Auftreten von Rückständen zu erhöhen. Wenn die Weine nach der Weiterverarbeitung keine Rückstände mehr aufweisen, wären somit – im Falle einer Anwendung der Schönungsmittel nach guter fachlicher Praxis (wesentlich niedrigere Dosierung) –Rückstände auszuschließen. Die Entfernung möglicher Schönungsmittel-Rückstände erfolgte durch verschiedene Verfahren. Verwendet wurden: Filtermembranen (Kerzenfilter), Schichtenfilter (K100, EK), Cross-flow Filter, Kieselgurfilter, Separator, Flash-Pasteurisation sowie Kieselsol und Bentonit.
Ergebnisse der sensorischen Untersuchung
Im Rahmen der sensorischen Untersuchung der Versuchsweine (Abb. 3 und 4) erfolgten Rangordnungsprüfungen nach den Attributen Fruchtintensität in Geruch und Geschmack sowie Bitterkeit und nach der allgemeinen Bevorzugung. Das Prüfer-Panel umfasste zwölf Personen. Statistisch konnte bei beiden Weinen kein signifikanter Unterschied der Schönungsmittel in Bezug auf die oben genannten Attribute festgestellt werden. Bei beiden Weinen verhielten sich die einzelnen Schönungsmittel im Hinblick auf ihren Einfluss auf die Aromaintensität gleich.
Die Weine mit Kasein- bzw. Erbsenprotein-Schönung zeigten die höchste Aromaintensität. Die mit Pflanzenproteinen geschönten Weine hatten am meisten Körper. In beiden Weinen erzeugte die Verwendung von Kartoffelprotein ein hohes Maß an Bitterkeit.
Im Falle der Weißweine wurde der mit Erbsenprotein geschönte Wein am meisten und der mit Ovalbumin geschönte am wenigsten bevorzugt, wohingegen es beim Rotwein genau umgekehrt war.
Schönungsmittel-Rückstände im Wein
Die Untersuchungen zur Rückstandsanalytik werden vom Institut für Lebensmittelchemie der Universität Hamburg durchgeführt. Erste Ergebnisse zeigen, dass in Abhängigkeit vom Schönungsmittel und Abreicherungsverfahren durchaus messbare Rückstände im Wein verbleiben können. Häufig kann aber auch eine Reduzierung der Stoffe bis unterhalb der Nachweisgrenze erreicht werden. Anhand dieser Resultate konnte so bereits eine Empfehlung der OIV gegen eine Kennzeichnungspflicht von Ovalbumin und Kasein an die EFSA weitergegeben werden, da bei diesen Stoffen keine Rückstandsprobleme zu erwarten sind. Anders gestaltet sich die Situation bei Lysozym; hier können noch keine Empfehlungen gegeben werden.
Des Weiteren stehen auch die klinischen Studien, die in der Klinik für Dermatologie und Allergologie an der Technischen Universität München durchgeführt werden sollen, noch aus.
Anonym (2004): Opinion of the Scientific Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies on a request from the Commission relating to the evaluation of allergenic foods for labelling purposes. The EFSA Journal 32, 1-197.
Taylor SL, Hefle SL, Bindslev-Jensen C, Bock SA, Burks AW, Christie L, Hill DJ, Host A, Hourihane J O‘b, Lack G, Metcalfe DD, Moneret-Vautrin DA, Vadas PA,Rance F, Skrypec DJ, Trautman TA, Yman IM, Zeiger RS (2002): Factors affecting the determination of threshold doses for allergenic foods: How much is too much? Journal of Allergy and Clinical Immunology 109 (1), 24-30.
Besler M, Steinhart H, Paschke A (1997): Allergenicity of hen‘s egg-white proteins: IgE binding of native and deglycosylated ovomucoid. Food and Agricultural Immunology 9 (4), 277-288.
Zuberbier T, Edenharter G, Worm M, Ehlers I, Reimann S, Hantke T, Roehr CC, Bergmann KE, Niggemann B (2004): Prevalence of adverse reactions to food in Germany – a population study. Allergy 59 (3), 338-345.
Forschungsanstalt Geisenheim
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