EinleitungDie unterschiedlichen Eigenschaften der in der Unterlagenzüchtung verwendeten Vitis-Arten werden durch die Standortbedingungen in ihrem ursprünglichen Habitat bestimmt. Aus der Vielfalt dieser Arten ergibt sich die Möglichkeit, Unterlagen gezielt zur Kompensation standortbedingter abiotischer Stressfaktoren wie Chlorose, Staunässe und Trockenheit einzusetzen. Das Fachgebiet Rebenzüchtung und Rebenveredlung betreut mehr als 20 Unterlagenversuche. Aufgrund des komplexen Zusammenhangs zwischen Boden, Klima, Unterlage, Edelreis und Bewirtschaftungsform ergibt sich eine starke Streuung des Datenmaterials. Im Folgenden werden drei Versuchsanlagen vorgestellt und mögliche Schlussfolgerungen zur Eignung bestimmter Unterlagen dargelegt.
Material und Methoden
Die Versuchsstandorte befinden sich in Oppenheim am Rhein, in Lonsheim bei Alzey und in Roschbach in der Südpfalz. Als Ertragssorte diente der Botrytis-feste kleinbeerige Spätburgunderklon 20-19 Gm.
Beprobt wurden je acht Pflanzen pro Prüfglied, von denen der Gesamtertrag (g/m²) erfasst und repräsentative Traubenproben entnommen wurden. Weiterhin wurden Mostgewicht, Säuren, pH-Wert, 100-Beerengewicht und eine Vielzahl weiterer Inhaltsstoffe (Mineralstoffe, organische Säuren) bestimmt. Für die Darstellung wurden die Mittelwerte des Traubenertrags (g/m²) sowie des Mostgewichtes (° Oechsle) herangezogen.
Einzelbeschreibungen der Standorte
An allen Standorten liegen zum Teil schwierige Bodenbedingungen vor. Die Bodenarten reichen von tonigem Lehm bis zu sandigem Lehm mit Kalkgehalten von neutral bis 18% Aktivkalk. Erziehungsform ist die Halb- oder Flachbogenerziehung. Die Anlagen sind teil- bzw. vollbegrünt. Die Augenzahl beläuft sich auf sechs bis sieben Augen pro m².
Detaillierte Einzelbeschreibungen siehe folgenden Link:
www.fa-gm.de/fachgebiet-rebenzuechtung-und-rebenveredlung/publikationen/veroeffentlichungen-2011
Ergebnisse und Diskussion
Für die Produktion hochwertiger Spätburgunder-Trauben sind die Parameter Mostgewicht, Tannine und Anthocyane essenziell. Wichtig für die Standorteignung einer Unterlage ist ebenso die Ertragsleistung. Betrachtet man die relative Variation von Ertrag und Mostgewicht über die Jahre, so lässt sich erkennen, wie konstant eine Unterlage ihre Leistung im Vergleich zu den anderen Genotypen erbringt.
Roschbach
Die Ergebnisse unterlagen hier einer geringen Streuung (Abb. 3). Für keine der Unterlagen erwies sich dieser Standort als problematisch. Außer in 2007 zeigten fast alle Varianten mittlere bis sehr gute Ertrags- und Mostgewichtswerte. Auch die Chlorose-empfindliche Unterlagssorte Börner erzielte hier passable Ergebnisse, zeigte jedoch starke Schwankungen. Richter 99 erbrachte die geringsten Erträge und geringere Mostgewichte. Hohe Erträge bei niedrigeren Mostgewichten lieferte Georgikon 28. SO 4 erreichte hohe Erträge bei mittleren Mostgewichten. Dies traf auch auf 8 B zu. Sori brachte geringere Erträge als SO 4 bei ähnlichen Mostgewichten. 125 AA zeigte überdurchschnittliche Erträge und meist höhere Mostgewichte als SO 4. 101-14 Mgt. brachte mittlere bis hohe Erträge bei höheren Mostgewichten, unterlag aber größeren Schwankungen. Dies zeigte sich auch bei Richter 110. 161-49 C und 420 A rangierten stabil im Mittelfeld. 5 C brachte bei mittleren, stabilen Erträgen ein überdurchschnittliches Mostgewicht. 1616 C positionierte sich im unteren Mittelfeld.
Lonsheim
Aufgrund der schwierigeren Bodenbedingungen nahm hier die Streubreite zwischen den Unterlagen zu (Abb. 4). Für diesen Standort weniger geeignet zeigten sich 1616 C und Fercal. SO 4, 125 AA und 8 B zeigten hier bei Ertrag und Mostgewicht überdurchschnittliche Leistungen, wobei 8 B in 2007 und 2010 den höchsten Ertrag, in 2010 das zweithöchste Mostgewicht erreichte. Sori, 420 A und Richter 110 lagen im Mittelfeld. Georgikon 28 brachte mittlere bis hohe Erträge und, außer in 2007, ein unterdurchschnittliches Mostgewicht. 101-14 Mgt. brachte niedrigere Erträge und höhere Mostgewichte. Gut präsentierte sich 161-49 C, die in 2009 den höchsten Ertrag und in 2008 das höchste Mostgewicht brachte. Mit Gm 9230-3 (Berlandieri Ress. x Börner) und Gm 9228-10 (125 AA x Börner) brachten zwei neue reblausresistente Geisenheimer Züchtungen gute Ergebnisse.
Oppenheim
An dieser durch Trockenheit und hohe Ton- und Kalkgehalte geprägten Hanglage erreichte Georgikon 28 mittlere bis hohe Erträge (Abb. 5). Ähnliche Werte erreichte 41 B, die im feuchten Jahr 2010 den höchsten Ertrag brachte. Beide blieben in ihrer Mostgewichtsleistung unterdurchschnittlich. SO 4 brachte mittlere bis hohe Erträge und Mostgewichte.
Ähnlich – auf etwas schwächerem Niveau – verhielten sich Richter 110 und 161-49 C, die mittlere bis hohe Erträge erreichten. 8 B präsentierte sich ähnlich wie SO 4 mit höherem Mostgewicht und niedrigeren Erträgen. 5 BB zeigte bei Mostgewicht und Ertrag gute Leistungen. Die Erträge lagen über denen der 8 B.
Ertrag und Mostgewicht von 1103 Paulsen lagen über dem Durchschnitt. 5 C brachte geringere Erträge und die höchsten Mostgewichte und ist damit für die Produktion von Spitzenrotweinen interessant. 779 und 775 Paulsen (Abb. 1; Abb. 2) sowie Berlandieri Resseguier und Börner erwiesen sich für diesen Standort als ungeeignet.
Am Standort Roschbach zeigte sich die geringste Streuung der Leistungsdaten. Wie unterschiedlich Unterlagen auf zunehmend schwierige Bodenverhältnisse reagieren, machten die Ergebnisse in Lonsheim und Oppenheim deutlich. Am trockenen und kalkreichen Standort Oppenheim zeigte sich eine große Streubreite der Leistungsdaten.
Bei guter Wasserversorgung und niedrigen Kalkgehalten lieferten auch Kalk- und Chlorose-empfindlichere Unterlagen gute Ergebnisse (Roschbach). Eine frühe Holz- und Traubenreife fördernde, schwachwüchsige Unterlagen (101-14 Mgt., 3309 C, 1616 C) können hier zum Einsatz kommen. Konstant hohe Mostgewichte und stabile Erträge lieferten 125 AA und 5 C.
In Lonsheim erwiesen sich die schwierigen Bodenbedingungen und der Kalkgehalt von ca. 10 % für einige Unterlagen als nachteilig. Überraschend war das schwache Abschneiden der Fercal, der eine hohe Kalkfestigkeit zugesprochen wird (Pouget und Juste, 1972). Positiv herauszustellen sind hier SO 4, 125 AA, 420 A, 8 B und 161-49 C.
Der hohe Kalkgehalt von ca. 18 % und die Bodenverhältnisse erwiesen sich in Oppenheim für einige Unterlagen als problematisch. Börner reagierte an diesem Standort mit starker Chlorose, die zum Absterben ganzer Pflanzen führte. Sie ist für diesen Standort nicht geeignet. 161-49 C dagegen erwies sich hier im feuchten Jahr 2010 als leistungsstark bei guter Mostgewichtsleistung und brachte auch im trockenen Jahr 2007 gute Ergebnisse. Auffällig positiv präsentierte sich 5 C, der eine geringe Trockentoleranz und eine hohe Kalkempfindlichkeit nachgesagt wird (Currle et al. 1983). Auf Trockenstandorten besitzen stärker wüchsige Unterlagen wie 5 BB, 8 B, Georgikon 28, 5 C, SO 4 und 1103 Paulsen Vorteile.
Unter Stressbedingungen ist die Frage nach der Standorteignung einer Unterlage leicht zu beantworten, da die veredelte Rebe entweder Chlorose-Symptome zeigt oder mit Wuchsdepressionen reagiert. Ob die Unterlage zur Leistungsoptimierung beiträgt, kann nur durch mehrjährige Versuche gezeigt werden.
Danksagung:
Besonders positiv ist das Engagement der Versuchsansteller hervorzuheben, die mit viel Idealismus zum Gelingen der Versuchsprojekte beigetragen haben.
Currle, O, Bauer, O, Hofäcker, W, Schumann, F, Frisch, W 1983: Biologie der Rebe. Meininger Verlag, Neustadt an der Weinstraße
Galet, P 1958-1964, 1988: Cépage et Vignobles de France. Montpellier.
Pouget, R, Juste, C 1972: Le choix de porte-greffes de la vigne pour les sols calcaires. Connaissance de la vigne et du vin 6, 357-364.
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