Dipl. Ing. Sarka Spinarova, PhD
Fachgebiet Zierpflanzenbau

Rosen sind weltweit die beliebtesten Schnittblumen. Allein in Deutschland werden jährlich mehr als 1,2 Milliarden Blumen verkauft. Hauptanbauländer sind neben Holland vor allem afrikanische und südamerikanische Staaten. Von dort gelangen die Rosen per Luftfracht nach Deutschland, wobei Frankfurt eine Drehscheibe im deutschen Blumenhandel bildet.
Trotz Kühlung und intelligenter Verpackungen kommt es während des mehrtägigen Transportes häufig zu einem Wasserverlust in den Xylemzellen, der die Haltbarkeit beeinträchtigen kann. An der Forschungsanstalt Geisenheim und dem Wissenschaftszentrum der TU München ist ein Verfahren entwickelt worden, mit dem sich der Wasserverlust und seine Ursachen messen und damit das Haltbarkeitsrisiko abschätzen lässt. Über das Prinzip dieses Verfahrens und die Einsatzmöglichkeiten in Forschung und Praxis berichtet dieser Beitrag.
Schlüsselfaktor Wasserhaushalt
Die Aufrechterhaltung einer ausgeglichenen Wasserbilanz ist der wichtigste Überlebensfaktor für Schnittblumen. Werden Blumen abgeschnitten, trennt man sie von den Wasser aufnehmenden Organen, ihren Wurzeln.
Für die Versorgung stehen dann nur die an der Schnittstelle geöffneten Xylemzellen zur Verfügung. Um trotz dieses Engpasses zu überleben, brauchen Schnittblumen Wasserleitungsbahnen mit geringer Embolieanfälligkeit, ein gutes Stomatamanagement und stabile Stiele, die auch bei temporärem Turgorverlust nicht abknicken und damit die Wasserleitung unterbrechen.
Das in Geisenheim und Weihenstephan entwickelte Prüfverfahren setzt an den wichtigsten Mechanismen des Wasserhaushaltes an und testet im Rahmen von simultanen Transpirations- und Kavitationsstudien das Stomatamanagement, also die Wasserdampfabgabe durch die Spaltöffnungen und den Wassertransport in den Xylemzellen.

Bei frisch geernteten Rosen, die sofort ins Wasser kommen, befinden sich Wasseraufnahme und Wasserabgabe im Gleichgewicht. Der Wasserhaushalt ist ausgeglichen. Nach mehrtägigem Vasenleben oder unter ungünstigen Bedingungen (z.B. bei hoher Transpirationslast, bei Trockentransporten oder bei mikrobiellen Verstopfungen der unteren Leitungsbahnen) überschreitet die Wasserdampfabgabe die Wasseraufnahme.
Hierdurch wächst der Unterdruck im Xylemsystem so stark an, dass Kavitationen, also kleine Gasbläschen entstehen, die sich schließlich zu Embolien vereinen. Embolisierte Zellen stehen für den Wassertransport nicht mehr zur Verfügung und sind oft die Ursache für ein frühzeitiges Welken der Schnittblumen oder das gefürchtete - als Bent-Neck bezeichnete - Abknicken des Blütenhalses (Abb. 1).
Mit Ultraschallmikrofonen Rosen belauschen
Bereits aus frühen Arbeiten von Milburn (1973) sowie Tyree und Dixon (1983) ist bekannt, dass Kavitationen und Embolien im Xylemsystem akustische Signale induzieren, die mit Hilfe von Ultraschallmikrofonen registriert werden können.
In den Geisenheimer Studien wurde diese Erkenntnis aufgegriffen und für die Entwicklung eines Tests zur Untersuchung des Wasserhaushaltes verwendet. Hierbei wird ein Ultraschallmikrofon (piezokeramische Sensoren mit einem Frequenzbereich von 100 bis 450 kHz) an der empfindlichsten Stelle der Rose, etwa 3 cm unterhalb des Blütenbodens, befestigt und nachfolgend das Auftreten von Kavitationen aufgezeichnet (siehe Abb. 2 und 3).
In Abbildung 2 sind typische Kavitationsprofile von intakten und gestressten Rosen zu erkennen. Bei frischen Rosen treten in den ersten zwei bis vier Tagen des Vasenlebens keine Kavitationen auf. Anschließend sind rhythmisch erscheinende Kavitationen zu registrieren, die streng dem Tag-Nachtwechsel, also dem Stomatazustand, folgen. Hieraus ist zu schließen, dass der Wasserhaushalt anfänglich weitgehend ausgeglichen ist und dass in einem späteren Stadium die am Tag entstandenen Kavitationen und Embolien zumindest in der Nacht, also bei geschlossenen Stomata, wieder aufgelöst werden können.
Geschädigte Rosen zeigen bereits zu Beginn der Aufzeichnung eine Vielzahl von Kavitationen ohne erkennbaren Zusammenhang zum Hell-Dunkel-Wechsel. Mit anderen Worten: Der Wasserhaushalt ist infolge mangelnder Stomatafunktion massiv gestört. Derartige Profile können wesentlich zum Verständnis der physiologischen Prozesse in der Nacherntephase beitragen, für einen Qualitäts-Schnelltest dauert ihre Erstellung aber zu lange.
Belastungs-EKG für Schnittrosen
Um den Test abzukürzen und frühzeitig Informationen über den Wasserhaushalt zu gewinnen, wird der “Rosenpatient“ beim Geisenheimer Qualitätstest ähnlich wie bei einem Belastungs-EKG zeitweilig Stressbedingungen ausgesetzt und dabei neben der Entstehung von Kavitationen auch die Funktion der Stomata über Transpirationsmessungen studiert. Derartige simultane Kavitations- und Transpirationsstudien unter Anwendung von Ultraschallsensoren in Gaswechselmesskammern waren eine Weltpremiere in der Schnittblumenforschung.
Auf dem Stressparcours müssen die Rosen ihre Vitalität innerhalb einer 3-stündigen Dehydrierungsphase (Stiele ohne Wasser) mit nachfolgendem Hell-Dunkel-Wechsel und bei hoher Transpirationsbelastung (22°C, 55% rel. LF, 60μmol m-2 s-1 Beleuchtung (HQI Osram)) beweisen.
In Abbildung 3 ist ein unter solchen Bedingungen entstandenes “Rosen-EKG“ für eine frische und für eine gestresste Rose zu sehen. Die frische Rose fällt durch eine hohe Transpirationsleistung in der Anpassungsphase auf. Zu Beginn der Dehydrierungsphase ist ein typischer Iwanoff-Effekt sichtbar (passive Stomataöffnung).
Nachfolgend sinkt die Transpirationsrate rasch ab und folgt anschließend exakt den Hell-Dunkel-Rhythmen. Trotz massiver Stressbelastungen ist die Anzahl der Kavitationen bei solchen Rosen vergleichsweise gering. Dieser Befund ist typisch für Rosen mit hervorragendem Stomatamanagement und langem Haltbarkeitspotenzial.
Bei der gestressten Rose ist die Transpirationsrate in der Anpassungsphase deutlich niedriger, der Iwanoff-Effekt fehlt völlig und ein Hell-DunkelRhythmus ist nur schwach zu erkennen. Die Stomatafunktion ist massiv eingeschränkt, der Wasserhaushalt gestört und damit die Lebenserwartung stark verkürzt.
Stabile Stiele trotzen dem Wassermangel
In Versuchen mit den besonders beliebten dunkelroten Rosensorten hat sich allerdings gezeigt, dass manche Rosen trotz eines schlechten Ergebnisses beim Langzeit-EKG viele Tage in der Vase überleben. Den Schlüssel hierfür hat man in anatomischen Untersuchungen am Fachgebiet Botanik der Forschungsanstalt gefunden.
Bei Studien des Stängelquerschnitts war aufgefallen, dass robuste Sorten eine ringförmige Xylemstruktur mit intensiver Verholzung besitzen (Abb. 5). Solche Gewebe weisen eine hohe mechanische Festigkeit auf, wodurch selbst bei Turgorverlust durch schlechtes Stomatamanagement das gefürchtete Abknicken des Stängels (Bent-Neck) verhindert wird. Abbildung 5 zeigt den Stängelquerschnitt der knickfesten Sorte ‘Passion’ im Vergleich zur knickanfälligen Sorte ‘Circus’.
Während bei ‘Circus’ nur das Xylem der Leitbündel verholzte Zellwände aufweist (Lignin-Nachweis mit Phloroglucin-Salzsäure), sind bei ‘Passion’ zusätzlich auch die Zellwände des Markstahl- und Mark-Gewebes sowie der Phloem-Fasern verholzt.
Praxisreifes Verfahren für Rosenzüchter
Angewandt arbeitende Wissenschaftler freuen sich nicht nur über eine lange Publikationsliste, sondern vor allem über die Nutzung ihrer Erkenntnisse durch die Praxis. Das vorgestellte Verfahren hilft vor allem Rosenzüchtern bei der Entwicklung von robusten, langlebigen Schnittblumen.
Eine gute Xylemstruktur und ein sensibles Stomatasystem sind effiziente anatomische und physiologische Marker für ein langes Vasenleben und eine geringe Bent-Neck-Anfälligkeit.
Da das Stomatamanagement neben der genotypischen Prägung auch durch die Produktionsbedingungen beeinflusst wird, lassen sich mit Hilfe von simultanen Transpirations- und Kavitationsstudien auch Schwachstellen in der Produktion aufspüren. Und schließlich verhilft ein besseres Verständnis des Wasserhaushaltes von Schnittrosen allen Beteiligten in der Wertschöpfungskette zu mehr und vor allem zu längerer Freude am Produkt.
Literatur:
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Forschungsanstalt Geisenheim
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