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Eine „saubere“ Lösung – Die Indische Waschnuss als Alternative im ökologischen Rebschutz?

Zusammenfassung
Die Schalen der Indischen Waschnuss (Sapindus mukorossi) weden aufgrund ihrer seifenähnlichen Inhaltsstoffe (Saponine) in Asien traditionell als natürliches Waschmittel verwendet. Untersuchungen im Fachgebiet Phytomedizin der Forschungsanstalt Geisenheim ergaben, dass wässrige Extrakte dieser Schalen auch eine Wirkung gegenüber Schadpilzen an Weinreben zeigen (Molitor et al.,  2010). Im Rahmen des vom BMELV geförderten Projektes „Strategien zur Regulierung der Schwarzfäule im ökologischen Weinbau“ wurden diese Extrakte in Gewächshaus- und Freilandversuchen getestet und stellten sich als hoch wirksam gegenüber dem Erreger der Schwarzfäule (Guignardia bidwellii) heraus. Bei Applikationen, die zeitnah zum Infektionsereignis stattfanden, konnten Wirkungsgrade im Bereich der Vergleichswirkstoffe aus dem ökologischen Weinbau bzw. dem integrierten Rebschutz erzielt werden. Die Wirkung dieser Extrakte ist jedoch – vermutlich aufgrund der limitierten Regenbeständigkeit – zeitlich begrenzt. Gelänge es, die Wirkungsdauer zu erhöhen, könnte die Verwendung des Naturproduktes Waschnuss in Zukunft zur Reduzierung des Einsatzes kupfer- und schwefelhaltiger Pflanzenschutzmittel im ökologischen Weinbau beitragen.

Schwarzfäule – die Achilles-Ferse im ökologischen Weinbau
Die ursprünglich in Nordamerika beheimatete Schwarzfäule (Erreger: Guignardia bidwellii) wurde im Zuge der Einfuhr reblaustoleranter amerikanischer Unterlagsreben um das Jahr 1885 nach Europa eingeschleppt. Nördlich der Alpen blieb die Schwarzfäule allerdings bis zum Jahr 2002 weitgehend ohne Bedeutung. Vermutlich bedingt durch die veränderten klimatischen Bedingungen und die Zunahme der nicht mehr ordnungsgemäß bewirtschafteten Weinberge (so genannter Drieschen) konnte sich die Krankheit jedoch zu Beginn des neuen Jahrtausends in den nördlichen deutschen Anbaugebieten Mosel, Mittelrhein und Nahe etablieren. Besonders auf ökologisch bewirtschafteten Flächen waren hier nicht selten Existenz bedrohende Ertragseinbußen bis hin zum Totalausfall die Folge. Das plötzliche und massive Auftreten der vorher weitgehend unbekannten Krankheit stellt mittlerweile für integriert wirtschaftende Weinbaubetriebe ein beherrschbares Problem dar: es ist bekannt, dass einige der derzeit zugelassenen Oidium- und Peronospora-Fungizide eine mehr oder weniger ausgeprägte Nebenwirkung gegenüber dem Erreger der Schwarzfäule zeigen (Molitor und Berkelmann-Löhnertz, 2011). Bei geeigneter Mittelauswahl wird die Schwarzfäule also mitbehandelt. Für Öko-Winzer jedoch ist die aktuelle Schaderreger-Situation eine besondere Herausforderung, da sich auch als „pilztolerant“ eingeschätzte Sorten, wie z.B. Regent oder Johanniter, hoch anfällig gegenüber der Schwarzfäule zeigten.

Auf der Suche nach natürlichen Alternativen
Aktuelle Empfehlungen zur Regulierung der Krankheit im ökologischen Weinbau basieren auf dem Einsatz von schwefel- oder kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln. Die Zukunft des Kupfers als Pflanzenschutzmittel ist aufgrund der ökotoxikologischen Probleme jedoch mehr als ungewiss, so dass der ökologische Weinbau mittel- bis langfristig auf Alternativen angewiesen sein wird. Im Rahmen des vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) geförderten Forschungsprojektes „Regulierung der Schwarzfäule im ökologischen Weinbau“ (Schlussbericht: www.orgprints.org/17072/) – an dem neben dem Fachgebiet Phytomedizin der Forschungsanstalt Geisenheim, die JKI-Dienststellen in Bernkastel-Kues und Darmstadt, die DLR Mosel und Rheinpfalz sowie der EcoVin Regionalverband Mosel als Projektpartner beteiligt waren – wurde daher die biologische Wirksamkeit zahlreicher Pflanzenstärkungsmittel und anderer Naturstoffe untersucht. Insgesamt wurden in den Gewächshausversuchen in Geisenheim mehr als 150 Substanzen „gescreent“ (Abb. 2).


Eine „saubere“ Lösung? Die Indische Waschnuss
Waschnüsse werden in Asien traditionell als natürliches Waschmittel verwendet. Seit einigen Jahren sind sie auch in Europa zu erwerben. Sie werden in einem Stoffbeutel (Abb. 3) zusammen mit der Wäsche in die Waschmaschine gegeben und setzen dort – sobald sie mit Wasser in Berührung kommen – seifenartige Substanzen (Saponine) frei, welche aufgrund ihrer natürlichen Tensid-Eigenschaften Verschmutzungen aus der Wäsche lösen können.
Interessanterweise verfügen die Inhaltsstoffe der Indischen Waschnuss neben den waschaktiven Eigenschaften auch über eine anti-fungale Wirkung. So konnten im Gewächshaus an Topfreben Wirkungsgrade gegenüber dem Erreger der Schwarzfäule im Bereich von 90% erzielt werden (Abb. 4).
Im Rahmen des Screenings zeigten wässrige Extrakte der gemahlenen Schalen der Früchte des Indischen Waschnussbaumes (Sapindus mukorossi) die beste biologische Wirksamkeit im Vergleich zu allen geprüften pflanzlichen Substanzen (Abb. 4).

Die Wirksamkeit ließ sich in Bezug auf G. bidwellii auch im Freiland an Beeren bestätigen. Der Einsatz des Waschnuss-Extraktes zeigte sich als sehr effektiv (Wirkungsgrad > 90 %), wenn die Applikation nicht länger als acht Tage vor der Inokulation erfolgte. Hier lag die Wirksamkeit der Waschnuss im Bereich zwischen den Vergleichsmitteln, die im ökologischen Anbau (z.B. Thiovit® Jet; Schwefelpräparat) bzw. im integrierten Weinbau (z.B. Polyram® WG; organisch-synthetisches Fungizid) Anwendung finden (Abb. 5).
Die anti-fungale Wirkung des wässrigen Waschnuss-Extraktes beruht vermutlich auf den in den Waschnuss-Schalen enthaltenen Saponinen. Saponine sind seifenartige (lat. sapo = Seife) sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe mit Steroid-ähnlicher Grundstruktur, welche mit den Sterolen der pflanzlichen Membranen Komplexe bilden und somit deren selektive Permeabilität stören. Saponine fungieren darüber hinaus aufgrund ihrer Konsistenz als natürliche Netzmittel und verändern somit die Oberflächenspannung auf den pflanzlichen Organen, was möglicherweise das – im Falle der Schwarzfäule zwingend für eine Infektion notwendige – Anhaften pilzlicher Sporen auf der Pflanzenoberfläche erschwert (Abb. 6).

Die Waschnuss – ein „Schönwetter-Spieler“?
In den vorliegenden Freilandversuchen wurde jedoch auch die begrenzte Dauerwirkung des wässrigen Waschnuss-Extraktes deutlich. So führten im vorliegenden Versuch die 15 und 22 Tage vor Inokulation durchgeführten Waschnuss-Pulver-Applikationen – im Gegensatz zu Behandlungen mit Polyram® WG und Thiovit® Jet – nicht zu einer Befallsreduzierung im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle (Abb. 5). Ein Blick auf die Witterungsdaten in dieser Phase liefert hierfür einen Erklärungsansatz: Während innerhalb des Zeitfensters acht Tage vor Inokulation nur 5 mm Niederschlag fielen, waren dies in den 15 Tagen vor der Inokulation 36,3 mm! Es wird daher vermutet, dass dieser Regen dazu führte, dass große Mengen der Aktivsubstanz(en) abgewaschen wurden und daher nicht mehr wirksam werden konnten. Zur Verbesserung der Regenfestigkeit der Wirksubstanzen erfolgten daher Gewächshaus-Untersuchungen mit künstlicher Beregnung an Topfreben (Abb. 7).
Hierbei konnten leichte Verbesserungen in der Regenbeständigkeit durch die Zugabe von Haftmitteln erzielt werden. Dennoch war es bisher nicht möglich, die Regenfestigkeit in dem Maße zu optimieren, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein Einsatz der Indischen Waschnuss im praktischen Weinbau empfohlen werden kann. Hier besteht also weiterer Forschungsbedarf.