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Fachgebiet Phytomedizin

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Umweltschonender Pflanzenschutz im Wein- und Gartenbau

Beim integrierten Anbau von Reben und gartenbaulichen Kulturpflanzen ist es ein wichtiges und aktuelles Ziel, die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß zu beschränken. In diesem Zusammenhang beschäftigen wir uns aktuell mit der Erarbeitung von Maßnahmen zur Prävention von Traubenfäulen (v.a. Botrytis cinerea) und der genetischen Charakterisierung von Organismen, die an diesem Krankheitskomplex beteiligt sind. Weitere Schwerpunkte liegen gegenwärtig in der Optimierung von Verfahren, die eine Reduzierung des Kupfereinsatzes gegen die Rebenperonospora (Plasmopara viticola) im ökologischen Weinbau ermöglichen, sowie in der Entwicklung von Strategien zur Bekämpfung der Schwarzfäule (Guignardia bidwellii). Bei gartenbaulichen Kulturen liegt ein Fokus derzeit auf dem Einsatz von biologischen Verfahren zur Regulierung des Echten Mehltaus (Podosphaera aphanis) und der Graufäule (Botrytis cinerea) an Erdbeeren. Im Hinblick auf eine biologische Kontrolle von Schadinsekten befassen sich aktuelle Forschungsarbeiten in unserem Fachgebiet mit der Anwendung von entomopathogenen Pilzen gegen verschiedene Rüsselkäferarten und von Granuloseviren als Antagonisten von Pflaumenwickler- bzw. Apfelwicklerlarven.

Einsatz molekularer Methoden in der Phytomedizin

Die Bedeutung molekularer Methoden nimmt im modernen Pflanzenschutz ständig zu.
Diese Verfahren werden beispielsweise in folgenden Bereichen eingesetzt:
•    Pflanze-Schaderreger-Interaktionen
•    Populationsgenetik von Schaderregern
•    Diagnose
•    Resistenzentwicklung gegen Pflanzenschutzmittel
Wir verwenden derzeit unterschiedliche molekulare Markersysteme, um die Populationsgenetik von Rüsselkäfern und verschiedenen Vertretern aus der Gruppe der Lepidopteren, wie Lymantria spp., Cydia pomonella oder Lobesia botrana, zu untersuchen. Für die Charakterisierung von Organismen, die an der Entstehung des Traubenfäulekomplexes von Beeren beteiligt sind, setzen wir aktuell die DGGE Technik ein. Außerdem analysieren wir mögliche Interaktionen zwischen Pflanzen und Insekten auf molekularer Ebene. Ein aktuelles Beispiel hierfür sind unsere Untersuchungen zur Interaktion der Rebenschmierlaus Planococcus ficus und ihrer Wirtspflanze, der Rebe. Für das Verständnis solcher Interaktionen versuchen wir, differenziell exprimierte Gene zu identifizieren.

Prognose des Krankheits- und Schädlingsaufkommens

Prognosemodelle sollen helfen, den Zeitpunkt und/oder die Stärke des Auftretens einer Erkrankung oder eines Schädlings vorherzusagen. Auf dieser Basis ist eine termingerechte Durchführung von Pflanzenschutzmaßnahmen – oftmals verbunden mit einer Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes – möglich. Unter Federführung des Fachgebietes Phytomedizin wurde das vorhandene Modell zur Vorhersage des Auftretens von Plasmopara viticola erweitert und optimiert. Das neue Krankheitsmodell berücksichtigt auch bodenbürtige Infektionen und wird zurzeit validiert. Zur Vorhersage des Flugzeitpunktes von Traubenwicklern wurde ebenfalls ein bereits etabliertes Prognosemodell optimiert. Hierzu erfolgt ein begleitendes Monitoring zur Erfassung der Flugaktivitäten in verschiedenen Weinbergslagen mittels Pheromonfallen.

Pflanzenkrankheiten und Mikroflora in erdeloser Kultur

Im Gartenbau gibt es eine zunehmende Nachfrage nach biologisch definierten Kultursubstraten. Das Fachgebiet Phytomedizin entwickelt Methoden zur mikrobiologischen Charakterisierung und Bewertung von Substraten. Im Mittelpunkt steht dabei die Verbesserung der Krankheitssuppressivität durch mikrobiologische Optimierung des Wurzelraumes.
Weiterhin ist das Fachgebiet Phytomedizin ein Kompetenzzentrum für phytopathologische Aspekte erdeloser, geschlossener Bewässerungsverfahren und entsprechender Wasserentkeimungsverfahren.

Wirksamkeitsstudien von Pflanzenschutzmitteln nach GEP-Richtlinien

Nach der Richtlinie 91/414/EWG des Rates der Europäischen Union über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln werden Anträge für das Zulassungsverfahren von Pflanzenschutzmitteln nur dann berücksichtigt, wenn sie unter Einhaltung der Grundsätze der Guten Experimentellen Praxis (GEP) durchgeführt wurden. Unser Fachgebiet besitzt ein GEP-Zertifikat und zählt damit zu den amtlich anerkannten GEP-Versuchseinrichtungen für die Bereiche Wein- und Zierpflanzenbau. In diesem Zusammenhang führen wir Wirksamkeitsstudien zur Bewertung verschiedener Pflanzenschutzmittel, insbesondere zur Bekämpfung von Schaderregern der Rebe, durch.

Neue Krankheitserreger und Schädlinge im Garten- und Weinbau

Der Klimawandel und die Zunahme des globalen Handels mit Pflanzgut haben in den letzten Jahren zu einem verstärkten Auftreten von neuen (eingeschleppten oder eingewanderten) Schaderregern im Garten- und Weinbau geführt. Auch im Falle bereits einheimischer Schaderreger haben sich klimabedingt einige Arten hinsichtlich ihrer zeitlichen Entwicklung im Jahresverlauf (ihrer Phänologie) und ihrer jeweiligen Schadwirkung an der Pflanze verändert. Aktuelle Beispiele sind das Auftreten von Pseudomonas savastanoi an Mandevilla sanderi oder der Krankheitskomplex „Esca“ an der Rebe, die in unterschiedlichem Maße forschungsmäßig bearbeitet werden.